Frühling. Oder: Wenn ich wieder nicht aufhören kann zu staunen

Jedes Jahr denke ich mir: Jetzt kennst du das ja schon. Der Frühling kommt, alles blüht, schön ist’s – fertig.

Und dann stehe ich wieder im Garten und merke: Nein. Ich kenne gar nichts.

Die Magnolien zum Beispiel. Ich mag sie so gern – dieses beinahe übertriebene Aufblühen, als würden sie keine halben Sachen machen. Entweder Winter oder Blütenexplosion. Dazwischen gibt’s nichts.

Und dann die Tulpen…

Ich gestehe: Im Herbst verliere ich da regelmäßig ein bisschen die Kontrolle. „Nur noch schnell ein paar Zwiebeln“ – und plötzlich stehe ich mit Erde an den Knien und frage mich, wo ich die eigentlich alle unterbringen will. Aber jetzt, wenn sie nach und nach auftauchen, denke ich mir: Genau richtig so.

Und meine Lenzrosen – oder besser gesagt: meine kleine Leidenschaft, die sich langsam zur Sammelleidenschaft entwickelt hat. Ich kann einfach nicht anders. Jede ist ein bisschen anders, jede hat ihren eigenen Charakter. 

Und dann noch die stinkende Nieswurz, die so unscheinbar daherkommt und gerade deshalb so besonders ist.

Ich gehe oft einfach nur von einer zur nächsten, schaue, vergleiche, freue mich. Ein bisschen wie andere Leute Briefmarken sammeln – nur schöner. 

Und dieses Jahr hat mich der Garten noch mit etwas ganz Besonderem überrascht: Zum ersten Mal blüht meine Kamelie. Gefüllte, weiße Blüten, fast ein bisschen zu perfekt für diesen wilden Garten. Und vielleicht passt sie gerade deshalb. 

Ich habe sie bestimmt schon zehnmal angeschaut heute. Mindestens.

Und genau das ist es, was ich am Frühling so liebe: Dieses Staunen, das einfach nicht aufhört.
Dieses Gefühl, dass alles wieder beginnt – und jedes Mal ein bisschen anders, ein bisschen schöner. 

Und ich mittendrin, ein bisschen schmutzig, ein bisschen verliebt – und sehr, sehr glücklich.



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