Frühling vor der Tür – und ich hinter dem Fenster

Manchmal hat der Garten ein ganz eigenes Gespür für Stimmungen. Während ich heute mit dicker Decke, Teetasse und Schnupfnase auf dem Sofa liege, scheint draußen alles geradezu aufzublühen. Und weil mich die Sehnsucht nach Licht, Luft und Farbe doch gepackt hat, bin ich – ganz vorsichtig – mit der Kamera in der Hand kurz hinaus.

Die ersten Hyazinthen haben ihre Köpfchen aus der Erde gestreckt. Ihr Duft ist so intensiv. 

Daneben leuchten die kleinen, leuchtend blauen Traubenhyazinthen wie Miniatur-Kerzen im Beet. Und die Narzissen nicken leicht im Wind. Es ist dieser Mix aus kräftigem Gelb, zartem Blau und diesem satten Grün der frischen Blätter.


Besonders gefreut habe ich mich über den Seidelbast, der ganz still und fast ein wenig versteckt am Gehölzrand blüht. Seine zarten, rosafarbenen Blüten leuchten fast unwirklich und verströmen einen ganz intensiven, süßen Duft – ein Hauch Frühling, der sich beinahe märchenhaft anfühlt. Jahr für Jahr überrascht er mich aufs Neue damit, wie früh und still er seine Schönheit entfaltet. 

Ich hatte sogar eine weißblühende Sorte, die ich lange gesucht und endlich gefunden hatte. Sie wirkte fast wie ein kleines Licht im Garten, so still und edel. Leider ist sie im vergangenen Jahr eingegangen – ein Verlust, der mir heute beim Fotografieren wieder in den Sinn kam. Aber so ist es wohl manchmal im Gartenleben: Manche Pflanzen begleiten uns nur ein Stück des Weges – und bleiben trotzdem im Herzen.

Die Magnolie beginnt sich zu öffnen. Noch sind es nur vereinzelte Knospen, die sich langsam aufrollen wie zarte Papierblüten. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue auf diesen Moment, wenn ihre ganze Pracht den kahlen Ästen trotzt. Es ist ein stilles Versprechen: Bald ist es wirklich soweit.

Und ich? Ich bin ausgebremst. Eine Erkältung hat mich erwischt, ganz unspektakulär, aber eben doch spürbar. Vielleicht ist es genau das, was ich jetzt brauche: einen Moment der Ruhe. Den Garten aus der Ferne betrachten, statt wie sonst mit Schere und Gießkanne unterwegs zu sein. Manchmal liegt in der Beobachtung mehr Wachstum als im Tun.

Aber ich weiß: Die Erde arbeitet weiter, auch ohne meine Hände. Und das macht mich irgendwie froh.

Bleibt gesund und genießt die kleinen Wunder – ob draußen im Garten oder von drinnen durchs Fenster betrachtet.

Herzlich

Tom

Kommentare

  1. was bei dir schon alles blüht, da kann ich nur träumen. Aber in ein paar Wochen ist es auch bei mir so wunderschön. wünsche dir baldige Genesung, Heermine

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  2. Das ist schön, wenn man/frau den Garten als Refugium hat in den Zeiten, in denen Ruhe vonnöten ist. Ich genieße das Schauen nach Jahrzehnten der Garten (Aufbau)-Arbeit und gönne es mir, obwohl der Gang mit Schere & Gießkanne bitter nötig wäre.
    Es erstaunt mich, dass die Hyazinthen so weit sind, wie hier bei mir im Einflussbereich des atlantischen Klimas, die Magnolie aber noch recht vorsichtig ist, was ihre Blüten anbelangt. ( Gut, meine ist auch aufgrund ihrer geschützten Lage eine Vorwitznase. Sie ist auch sehr viel größer als die Norm. ) Auch die Süßkirsche blüht schon prächtig.
    Der Seidelbast ist ein echter Schatz, benötigt allerdings kalkhaltigen Boden. Den hab ich nicht bei einer Lage in einem Altrheinarm. Traurig habe ich auch immer wieder mal zur Kenntnis nehmen müssen, dass Pflanzen einen verlassen oder einfach nicht gedeihen wollen, bei aller Liebe & Wertschätzung. Dafür freue ich mich jetzt auf die großen Blüten der Strauchpäonien, die sich bald öffnen werden.
    Es ist schon ein großes Geschenk, auch in einer Großstadt so eine Oase zu haben, die einen wenigstens ein bisschen mit der Natur verbindet. Dein Garten erinnert mich immer an das Areal, über das meine Eltern verfügen konnten, auch von der Hanglage und Weitsicht her. Aber ich weiß auch, welche Mühe das zuletzt meinem damals fast neunzigjährigen Vater gemacht hat.
    Ich hoffe und wünsche dir, dass der Schnupfen bald verschwindet ( und sich nur auf die Nase beschränkt ) und du aktiv in deinem Garten werden kannst!
    Danke für deine wertschätzenden ausführlichen Kommentare!
    Herzlich
    Astrid

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  3. Lieber Tom,

    zunächst einmal ganz herzlichen Dank für Deine lieben Kommentare bei mir und auch den anderen Bloggern, die ich so kenne.

    Toll schaut es in Deinem Garten aus und ich habe über die Jahre hinweg immer die Anfänge bis heute in Deinem Garten verfolgt. Wir haben so ziemlich zeitgleich mit dem Bloggen begonnen und zwischendurch war mal eine längere Pause bei Dir. Darf ich mal eine persönliche Frage stellen? Warst Du schon immer der Betreiber des Blogs? Ich meine, damals hätte eine Frau die Blogbeiträge geschrieben oder habe ich mich da so geirrt?

    Liebe Grüße und einen schönen Wochenanfang wünscht Dir
    Burgi vom Bodensee

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    1. Liebe Burgi,

      wie schön, von dir zu lesen – und ganz lieben Dank für deine herzlichen Zeilen!

      Ja, ich habe den Blog tatsächlich schon von Anfang an selbst geschrieben.

      Es stimmt, da gab es über die Jahre ein paar Pausen – mal kürzer, mal länger. Manchmal kam einfach das Leben dazwischen, manchmal die Technik, und oft war schlicht die Zeit zu knapp. Was ich aber nie verloren habe, ist die Freude an den Gärten und an dem feinen Austausch mit Menschen wie dir.

      Gerade beim Kommentieren auf anderen Blogs hat mir früher oft die Zeit gefehlt – was ich immer ein wenig bedauert habe, denn der Austausch ist ja das Herzstück unserer kleinen Bloggerwelt. Deshalb nehme ich mir jetzt ganz bewusst wieder mehr Zeit dafür – zum Lesen, Stöbern und einfach ein paar liebe Worte dazulassen. Deshalb nehme ich mir jetzt ganz bewusst wieder mehr Raum fürs Kommentieren und Stöbern – weil es mir einfach gut tut und so viel Inspiration zurückgibt.

      Ich freue mich, dass du meinen Garten über die Jahre begleitet hast – solche treuen Weggefährten machen das Bloggen erst richtig besonders!

      Ganz liebe Grüße an den schönen Bodensee

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  4. Oh, was ist mit Deinen Texten geschehen? ;-) Und dazu noch Kommentare! Sie klingen so anders als bisher - so warm, mitfühlend und weniger nach hektischer Betriebsamkeit. Ist das 'nur' die Erkältung?

    Als ich vor einigen Tagen aus dem Hof-Fenster schaute, war ich ganz überrascht, dass wir weiße Hyazinthen auf dem Hof haben. Ausgepflanzte Töpfe von vor x-Jahren, die weder bei meiner Mutter noch bei uns hinten im Garten eine Chance gehabt hätten. Doch der heiße trockene Südhof machte es möglich. Auch wenn der restliche Hof zur Zeit ein echter Schandfleck ist, da ich die vertrockneten Fugenfüller noch nich entfernt habe. Dafür fangen jetzt schon die Wildrosen an den Totholz-Haussockel zu begrünen, und auch sonst sprießt es in der Sonne bei uns. Und wenn nun endlich mal etwas Regen die Pflanzen erfrischt, ist es bald so grün wir früher im Mai. Irgendwie zwar erschreckend, aber auch schön. Nur wächst mir dann bald alles mal wieder davon ...
    Daher wünsche ich Dir schnelle Genesung und Gartentauglichkeit, damit Du Dein Paradies nicht nur zum Fotografieren genießen kannst!
    LG Silke

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  5. Herrlich, wie es bei dir im Garten blüht...die zweifarbige Traubenhyazinthe sieht ja klasse aus, habe ich so noch nicht gesehen. Ich wünsche dir gute Besserung und dass du deinen Garten wieder ausgiebiger genießen und darin werkeln kannst.
    Lieben Gruß von Marita

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  6. Manchmal ist es vielleicht gar nicht so schlecht, einen Blick aus einer anderen Perspektive in den Garten zu werfen. Eine Erkältung muss es dafür aber nicht unbedingt sein. Ich hoffe, Du bist bald wieder fit und kannst den Garten auch vor Ort genießen. Gerade jetzt schießt ja förmlich alles aus dem Boden. Der Regen hat den Pflanzen richtig gut getan und ihnen ordentlich Schwung verliehen.
    Viele Grüße von
    Margit

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  7. Ich mag Deinen Blick aus dem Fenster, schön sieht es bei Euch aus.
    Ein wenig zeitverzögert zu uns, hier steht die Magnolie in voller Blüte und die ersten Bäume verlieren schon ihre Blüten.
    Nun komm mal auf die Beine, erhol und schon Dich, lieben Gruß
    Nicole

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  8. erst einmal gute Besserung
    Hyazinten und Muscari kommen auch bei mir gerade hoch
    wow
    du hast einen Seidelbast ..
    und er sieht sehr schön üppig aus ..
    genieße deinen Blick vom Fenster und kurier dich aus
    dann geht es mit der Gartenarbeit nachher viel besser
    liebe Grüße
    Rosi

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  9. Oh, erstmal Gute Besserung! So ärgerlich eine Erkältung auch ist - einfach mal die Füße hochlegen und Tee trinken tut doch auch gut.
    Die Hyazinthen sind ja wirklich prächtig, vom Seidelbast ganz zu schweigen... mein Vater hat ein kleines Waldstück, in dem ein oder zwei kleine Sträuchlein davon wild wachsen. Die hegt und pflegt er, dass es die reine Freude ist. Aber so üppig wie deiner sind sie bei weitem nicht!🌸
    LG
    Centi

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  10. Erstmal gute Besserung für Dich, lieber Tom. Werde schnell wieder gesund und tu Dir Ruhe an ;) Mir geht es einbissel so wie Burgi. Ich bin überrascht nach all' den Jahren von einem Tom zu lesen. Witzig! Das habe ich nicht erwartet. Dein Garten sieht wunderbar aus. So feine Frühlingsblüher sind bereits zu bewundern. Bei uns die Magnolienblüte fast schon vorbei und die stürmischen Böen gstern haben schon viele Blütenblätter davon getragen. Herzliche Montagsgrüße, Nicole

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  11. Oh, wie du Arme! Es ist besonders ärgerlich bei schönem Wetter krank zu sein… zumal du auch einen wunderbaren Garten dein eigen nennst! Da möchte Frau doch bei den ersten Sonnenstrahlen hinaus und werktätig sein…. Ich liebe den Duft von Hyazinthen auch! Weiße Perlhyazinthen! Wie schön!

    Werde bald wieder gesund!
    Wünscht Augusta

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  12. Hallo Tom,
    es ist jedes Jahr einfach nur wunderschön wenn alls anfängt zu blühen und wachsen. Um deine geniale Aussicht beneide ich dich wirklich. Ein Magnolie habe ich gerade erst neu und sie hat exakt eine Knospe. Ich bin schon so gespannt, wann sie sich öffnet.
    Viele Grüße
    Claudia

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